Berlin, Strecke 600: Erkner
Sicher wird das Add-on irgendwann „Berlin-Stadtbahn“ heißen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Mit dem heutigen Tag (31.8.2026) wurden die Arbeiten für den ersten Ort an dieser Strecke abgeschlossen. Erkner. 94 eigene Texturen, 42 Solitärbauten.
Beim Blick in die westliche Einfahrt des Bahnhofs Erkner fallen dem Auskenner gleich zwei Dinge auf: der exzellente Gleisbau und die fehlende Fahrleitung. Beides hat einen Grund. Der heißt Moritz Buckow, auch bekannt als 143er. Er arbeitet am Projekt mit und ist für Gleise, Signale und Fahrleitung zuständig. Diese Arbeitsteilung bringt es mit sich, dass Fahrleitung und Landschaft nicht gleichzeitig gebaut werden können. (Gabs schonmal ähnlich bei Münster-Bremen mit anderen Beteiligten).
Warum Strecke 600? Im Netz der Berliner S-Bahn heißt die Strecke Erkner – Stadtbahn – Potsdam so. Genau diese bauen wir gerade. Im Moment ist noch völlig offen, was alles passieren wird, welche Fahrzeuge es geben wird, wie die Szenarien aussehen werden, ob man noch den Ast nach Spandau anbaut. Im Moment wird die Strecke 600 gebaut. Nicht mehr und nicht weniger. Bei der Eröffnung 1928 fuhr die Zuggruppe von Erkner nach Potsdam. Damals die Stammzuggruppe L. Es gab auch schon kurz danach eine Zuggruppe, die von Friedrichshagen nach Spandau fuhr, die Zuggruppe F. (Quelle: www.berliner.linienchronik.de)
Im Juni habe ich mit Genehmigung der Berliner S-Bahn mehr als 7000 Fotos entlang der Strecke und auf den Bahnhöfen erschwitzt. Familiäre Gründe und der drohende Ablauf der Genehmigungsfrist zwangen mich ausgerechnet in der heißesten Juniwoche auf Tour. Trotzdem eine schöne Erinnerung. Und: genug Stoff, um eine schöne Strecke bauen zu können. Außerdem habe ich inzwischen gelernt, wie man mithilfe von KI die Schlagschatten aus den Bildern bekommt.
Ich habe ja schon einmal in diesem Leben versucht, die Strecke 600 zu bauen. 2003 habe ich beim Bau für den MSTS in Potsdam begonnen und bin am Ostbahnhof „verreckt“. Das soll diesmal nicht passieren, deshalb ist Moritz mit an Bord.
In Erkner hat auch mein Verein, die Historische S-Bahn e.V. ihr Domizil und Erkner ist auch so für mich ein ganz besonderer Ort. Als ich noch ein Kind war, hatte mein Vater einen Freund in Erkner, den wir regelmäßig besuchten. Vor allem, wenn meine Mutter und ich die Anreise mit der Bahn machten, war das für klein Jan ein Erlebnis. Die lange S-Bahnfahrt von Köpenick nach Erkner, viel interessanter Verkehr auf der Eisenbahnstrecke nach Frankfurt/Oder und die Stadt Erkner hatte für meine schon lange in mir wohnende Eisenbahnmacke noch ein Schmankerl. Wenn man vom Bahnhof auf der Bahnhofstraße in Richtung Woltersdorf lief, kam man am „Teerwerk Erkner“ vorbei. Dort wurden Teerpappen aber auch Bakelit, ein Kunststoff, hergestellt. Eigentlich hieß das Werk zu meiner Zeit „VEB Plasta, Kunstharz und Pressmassenfabrik Erkner“. Markant war der Geruch den das Werk in Luft, im Wasser des Flakensees und Natur hinterließ. Ich schweife ab.
Um zu Vaters Freund und seiner Familie zu gelangen, musste man also am Werk vorbei und ins Werk führte eine mehrgleisige Anschlussbahn, die die Straße kreuzte. Wenn ich Glück hatte, und dieses war mir an dieser Stelle recht oft hold, hörte und sah man die Schranken herunterbimmeln und durfte dann einer längeren Rangierorgie mit Dampfspeicherlok und Kesselwagen beiwohnen. Ich fand das herrlich und so war also schon die Anreise ein rundherum gelungenes Erlebnis.
Heute ist das alles weg. Ein Parkplatz, ein Supermarkt, ein Busbahnhof und ein Kulturhaus residieren jetzt auf der Fläche des ehemaligen VEB Plasta. Dafür ist auch der Gestank weg.
Der Bahnhof Erkner hat eine lange Geschichte. Er wurde als einer der ersten Bahnhöfe an der Niederschlesisch-Märkischen-Eisenbahn am 23.10.1842 eröffnet.
Das heute noch existierende Empfangsgebäude wurde in den 1890er Jahren erbaut. Seinerzeit noch mit Spitzdächern und einem fulminanten Ziergiebel ausgestattet, sind der Ziergiebel heute verschwunden und die Dächer deutlich flacher geworden. Sehr wahrscheinlich Opfer der Bombenangriffe auf die Stadt im Jahr 1944, auf Bildern aus den 50er Jahren ist der Zierrat verschwunden. Sehenswerte Website hierzu ist: https://www.familienbuendnis-erkner.de/familienbuendnis/Archiv-Projekt/Erkner-Geschichten/Bahnhof.php Wer diese Website besucht, kann in der Bilderreihe auf einem Luftbild den vorbenannten Bahnübergang entdecken.
Pizzeria und Klohäuschen sowie die modernen Anlagen des S-Bahnsteigs sind der Jetztzeit zuzuordnen. Auf der Rasenfläche unten links im Bild standen in den 30er Jahren Bäume und es gab dort einen veritablen Biergarten. Hier hätte ich mich nach der Fototour durch Erkner erholen können, hätte dann aber die restlichen Bahnhöfe bis Karlshorst, die ich an diesem Tage fotografiert habe sicher nicht mehr geschafft. Hicks. Für das wunderschöne Stellwerk Erk links im Bild gibt es kein verlässlich dokumentiertes Datum der Eröffnung. Der Stil lässt das Ende des 19. Jahrhunderts vermuten. Auf einem Foto von 1902 ist es jedenfalls bereits vorhanden.
2012 eröffnete der neue Fernbahnhof im Stil der sachlichen Einfallslosigkeit. Ein (praktischer) Bau aus Glas, Stahl, Beton, der seinen Platz zwischen S-Bahnhof und der Brücke über das Flakenfließ gefunden hat.
Wenn man über das Gelände des Bahnhofs Erkner „wandert“, lässt sich noch mehr Geschichte entdecken. Bereits 1902 erhielt die Vorortbahn von Berlin nach Erkner zwei eigene Gleise. Es lässt sich vermuten, dass am Endbahnhof der seinerzeit noch mit Dampf betriebenen Bahn Anlagen zur Behandlung der Dampfloks vorhanden sind. So findet sich etwa auf der Mitte des Bahnhofsgeländes, westlich des Stellwerks Em ein modern genutzter Ringlokschuppen mit dazugehörender Drehscheibe. Es gab auch einen Wasserturm auf dem Bahnhofsvorplatz, aber der wurde bereits 1914 abgerissen. Danach errichtete man einen in der Nähe des Lokschuppens. Dieser wurde dann leider bereits 1985 abgerissen, sonst wäre er mit Sicherheit im Bild zu sehen.
Seit 11.6.1928 geht es auch elektrisch nach Erkner. Hierfür wurde 1927 Die Triebwagenhalle gebaut und vermutlich auch das Stellwerk Em. Für dessen Bau gibt es keine gesicherten Daten, der Baustil und die für das Schild verwendete Schrift verweist es jedoch in die Brademann-Epoche zur großen Elektrisierung in Berlin.
Heute teilt sich die S-Bahn Berlin GmbH die Halle mit dem Verein Historische S-Bahn e.V., der dort seine Schätze aufbewahrt und auch einen großen Teil der Arbeiten an den Fahrzeugen dort durchführt.
Das stinkende Teerwerk ist zwar verschwunden, Reste des VEB Plasta produzieren aber heute unter anderer Firmierung noch südlich des Bahnhofsgeländes Kunstharze, die in alle Welt exportiert werden.
Wie immer habe ich viel Aufwand in die nächtliche Beleuchtung der Szene gesteckt.
Der nächste Blogartikel wird erscheinen, wenn die Bahnhöfe/Haltepunkte Wilhelmshagen, Rahnsdorf und Friedrichshagen fertig sind.

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